Ns-vergangenheit im schatten: olympiasieger stöcks aufstieg und fall
Ein Sportidol der Nazi-Zeit, ein hochrangiger Funktionär der Nachkriegszeit – Gerhard Stöcks Karriere schien auf Erfolgskurs. Doch hinter dem Glanz verbarg sich eine dunkle Vergangenheit. Nach seinem Tod vor 41 Jahren wurde die Bilanz des Leichtathleten, der 1936 Olympiagold im Speerwurf gewann, aufgedeckt: Seine Verstrickungen mit dem NS-Regime waren tiefer, als lange bekannt.

Goldener wurf, dunkle wurzeln
Gerhard Stöck, geboren 1911, wurde in Berlin zum Symbol des nationalsozialistischen Deutschlands. Sein Sieg beim Olympia-Speerwurf 1936, bei dem er mit 71,84 Metern den finnischen Konkurrenten deutlich vor Yrjo Nikkanen und Kalervo Toivonen besiegte, diente der Propaganda des Regimes. Stöck, mit seiner Körpergröße von 1,89 Metern und blonden Haaren, verkörperte das NS-Idealbild der arischen Herrenrasse. Doch diese Darstellung verschleierte die Realität.
Schon 1933 trat Stöck der SA bei, der paramilitärischen Organisation der NSDAP. Er nahm am Reichsparteitag teil und rief seine Sportkollegen zur Unterstützung des “Führer” auf. Seine Karriere im Reichsakademie für Leibesübungen und im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung ermöglichte ihm, Einfluss zu gewinnen. Er vertrat sogar Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten bei offiziellen Anlässen.
Der Krieg und die Nachkriegszeit brachten einen Bruch, doch Stöck nutzte diesen, um seine Vergangenheit zu beschönigen. Nach seinem Umzug nach Hamburg bemühte er sich um eine Anstellung am Institut für Leibesübungen. Die Entnazifizierung war jedoch ein Stolperstein. Stöck behauptete, ein unpolitischer Mensch gewesen zu sein, der sich lediglich dem Sport verschrieben hatte. Er verschwieg seinen frühen SA-Beitritt und fälschte sogar sein Geburtsdatum, um seine Verstrickungen zu verschleiern. Die Busse-Brüder, Peter und Paul Busse, dokumentierten diese Taktiken in ihrer Untersuchung von Stöcks Fall.
Die SPD ermöglichte Stöcks Aufstieg. Mit Hilfe von Leumundszeugnissen überzeugte er die Militärregierung von seinem angeblichen Reuebeweis. 1950 wurde er Leiter des Sportamts Hamburg und später Delegationschef bei zwei Olympischen Spielen. Die Stadt Hamburg ehrte ihn nach seinem Tod 1985 mit dem Gerhard-Stöck-Preis, der 2006 nach Kritik an der Preisträgerin, einer Rugby-Frauenmannschaft des FC St. Pauli, eingestellt wurde.
Stöcks Geschichte ist ein Mahnmal dafür, wie schnell politische Verstrickungen verwischt werden können. Sein Aufstieg und Fall zeigen, dass die Fassade des Erfolgs oft eine dunkle Wahrheit verbirgt.
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