Cunningham-verletzung entfacht kontroverse um 65-spiele-regel

Die NBA-Saison steht Kopf: Nach der schwerwiegenden Verletzung von Starspieler Cade Cunningham entbrennt eine hitzige Debatte um die umstrittene 65-Spiele-Regel, die die Nominierung für begehrte Auszeichnungen wie MVP und All-NBA-Teams bestimmt. Die Spielergewerkschaft NBPA fordert Reformen, doch die Hintergründe dieser Regelung sind komplex – und ihre Auswirkungen auf die Liga sind immens.

Mehr als nur ein spielplan: der preis der verfügbarkeit

Cunningham wird voraussichtlich die Marke von 65 gespielten Partien in dieser Saison nicht erreichen. Das bedeutet nicht nur den Ausfall für die MVP-Diskussion, sondern auch für eine mögliche Nominierung in einem der drei All-NBA-Teams. Die NBPA kritisiert die Regel scharf und fordert eine Reform oder gar die Abschaffung. Doch was steckt wirklich hinter dieser Regel? Sie wurde 2023 eingeführt, zeitgleich mit einem gigantischen TV-Vertrag, der die NBA finanziell auf ein neues Level hob. Die TV-Anbieter drängten auf eine solche Regelung, um das sogenannte „Load Management“ zu bekämpfen – das Aussetzen von Spielern, die nicht in jedem Spiel ihre volle Leistung bringen.

Die NBA wollte verhindern, dass Starspieler Partien auslassen, ohne triftigen Grund. Denn die lange reguläre Saison mit 82 Spielen sollte nicht als Excuse dienen, die Werbewirksamkeit zu schmälern. Die Regel ermöglicht es Spielern, bis zu 17 Spiele (82 minus 65) zu verpassen und dennoch für Auszeichnungen in Frage zu kommen. Das klingt paradox, aber die reine Anzahl an gespielten Minuten zählt entscheidend. Ein Spieler, der 82 Spiele absolviert, erbringt über die gesamte Saison eine deutlich höhere Leistung als jemand, der zwar mehr Punkte erzielt, aber nur 60 Spiele bestritten hat.

Die finanzielle Motivation spielte bei der Einführung der Regel eine entscheidende Rolle. Mit dem neuen TV-Vertrag stiegen die Gehälter der Spieler in ungeahnte Höhen. Super-Max-Verträge über 300 Millionen Dollar pro fünf Jahre wurden zur Realität. Die NBPA hatte die Regel daher zunächst unterstützt, da sie den finanziellen Erfolg der Spieler begünstigte. Doch nun, mit den praktischen Konsequenzen für einzelne Spieler, wird die Regel zunehmend kritisch gesehen. Die Ausnahmeregelung für größere Verletzungen, die erst ab 62 Spielen greift, ist ein erster Schritt in Richtung einer möglichen Lockerung. Es ist jedoch fraglich, ob eine vollständige Abschaffung realistisch ist.

Die TV-Anbieter, die Milliarden in die NBA investiert haben, werden eine solche Änderung kaum akzeptieren. Die Verfügbarkeit der Stars ist für das Marketing der NBA von größter Bedeutung. Die Regel bietet Spielern einen gewissen Schutz vor übermäßiger Belastung, aber in Fällen wie dem von Cade Cunningham stellt sie eine zusätzliche finanzielle Sanktion dar – eine Situation, die sich bald ändern dürfte. Diese Zahlen zeigen, wie hoch der Einsatz ist: Spieler wie Mikal Bridges, der nie weniger als 65 Spiele absolvierte, erzielt über seine Karriere hinweg mehr Punkte als Spieler, die nur 60 Spiele bestritten haben.

Die NBA steht vor einem Dilemma: Einerseits die finanzielle Macht der TV-Partner, andererseits die Bedürfnisse der Spieler. Eine Reform der 65-Spiele-Regel ist daher denkbar, aber eine vollständige Abschaffung erscheint unwahrscheinlich. Die Liga muss abwägen, ob die finanzielle Stabilität oder die individuelle Karriere der Spieler Vorrang haben soll. Die Entscheidung wird die Zukunft der NBA maßgeblich beeinflussen.