Kehl verlässt den bvb: ende einer ära – und neue chancen?
Sebastian Kehl und Borussia Dortmund trennen sich. Die Nachricht kommt nicht überraschend, doch die Geschwindigkeit ist bemerkenswert. Seit Monaten brodelte es intern beim bvb, und die Trennung markiert das Ende einer oft kritisierten Ära.
Viele Fans werden sich vielleicht „Endlich“ denken. Zu oft war Sebastian Kehl das Sündenbock für die Probleme des bvb. Schlechte Transfers? Kehl. Fehlende Transfers? Kehl. Zu teuer, zu unkreativ, zu zögerlich – die Kritik war schnell und oft oberflächlich formuliert.
Ein zweischneidiges blatt: erfolge und misserfolge
Das Dortmunder Umfeld ist bekannt für seine Schärfe, jede Entscheidung wird sezierte. Ja, es gab verpasste Chancen, wie bei Rayan Cherki. Auch Transfers von Sébastien Haller oder Anthony Modeste scheiterten. Hinzu kam ein aufgeblähtes Gehaltsschema, beispielsweise im Fall von Niklas Süle. Doch Kehl war nicht nur für Fehler verantwortlich. Er holte Spieler wie Karim Adeyemi, Felix Nmecha und Niclas Füllkrug – Letzteren verkaufte er mit ordentlichem Gewinn. Auch die Verpflichtungen von Maximilian Beier und Serhou Guirassy zeigten sein Potenzial. Nur wurde sein Erfolg selten so laut gefeiert wie seine Pannen kritisiert.
Kehl betonte stets das „Wir“, doch intern fehlte ihm oft die Durchsetzungsfähigkeit. Er wirkte zu weich, zu zögerlich, nicht stark genug im oft als Raubtierbecken bezeichneten Profifußball.
Auch innerhalb des Vereins war Kehl nie unumstritten. Hans-Joachim Watzke galt nie als großer Befürworter. Einige hätten sich gewünscht, dass der Klublegende – seit über 24 Jahren im Verein – von sich aus zurücktritt. Die Verpflichtung von Lars Ricken als Nachfolger signalisierte das Ende der Vertrauensbasis. Das „Wir“ gab es weder mit den Fans noch intern.
Die verpasste Meisterschaft am letzten Spieltag gegen Mainz und das verlorene Finale in Wembley lasten ebenfalls auf seiner Amtszeit. Hätte nur ein Spiel anders ausgegangen….

Ein neuer anfang für beide seiten
Für Kehl ist der Schritt eine Chance. Er muss sich neu beweisen, vielleicht in einem ruhigeren Umfeld, vielleicht bei einem Verein, der seine Arbeit anders bewertet. Der bvb kann nun den Umbruch vollziehen – endlich konsequent und auf allen Ebenen. Die Trennung kommt spät, aber sie ist überfällig und richtig – für beide Seiten.
Ein Sportdirektor ohne Titel, der nie ganz ankam. Doch für Kehl ist dies ein Neuanfang. Und der bvb hat die Chance, sich neu zu formen – ohne die Last vergangener Saisons.
