Mädchenfußball boomt – doch die infrastruktur hinkt hinterher!
Der Ansturm auf den Mädchenfußball in Nordrhein-Westfalen ist beeindruckend, doch die Realität sieht düster aus: Es fehlt an Platz, qualifiziertem Personal und ausreichend Gegnern. Während der DFB mit FF27 die Entwicklung fördern will, kämpfen die Vereine am Boden mit den Folgen des rasanten Wachstums.
Euphorie in köln: ein vorgeschmack auf große bühne
Dagmar Engel, Jugendleiterin des BC Efferen, strahlt: "Das wird ein Riesenerlebnis für die Mädels!" Am 14. Mai dürfen ihre Spielerinnen im Vorfeld des DFB-Pokalfinals der Frauen in Köln auf dem legendären Müngersdorf-Stadion spielen. Ein Traum für den kleinen Amateurverein, der im Herbst 2024 noch 50 Mädchen zu einem Probetraining begrüßen durfte.
"Bei uns sind die Papas Trainer", erklärt Engel offen. Der Verein hat zwar fünf Mädchenteams im Spielbetrieb, doch die Ressourcen sind begrenzt. "Ausgebildete Trainer können wir uns einfach nicht leisten." Und das Problem betrifft nicht nur den BC Efferen. Auch der DFB hat erkannt, dass die Infrastruktur nicht mit dem Wachstum mithalten kann.

Ff27: ein ambitioniertes ziel, das nicht ganz erreicht wurde
Das Projekt "Strategie Frauen im Fußball FF27" sollte bis 2025 einen Anstieg junger Spielerinnen um 25 Prozent erreichen. Das Ziel wurde zwar verfehlt, aber die Zahlen sprechen dennoch für sich: In NRW kickten 2022 insgesamt 100.336 Mädchen im Verein, im Jahr 2025 waren es bereits 122.044. Die Anzahl der Mädchenmannschaften stieg im selben Zeitraum von 1.066 auf 1.645.
Benjamin Klotz, Mädchenbeauftragter der DJK Südwest Köln, sieht die Problematik aus erster Hand. "Wir haben nur einen Kunstrasenplatz, da quetschen wir zu den Trainingszeiten sechs Teams gleichzeitig drauf", berichtet er. Ein weiteres Problem: Die Suche nach passenden Gegnern gestaltet sich schwierig, da viele Vereine den Mädchenfußball weniger priorisieren. "Häufig ist es so, dass die Mädchenteams schräg angeschaut werden, wenn es darum geht, Ressourcen zu sparen."
Die hohen Kosten für Vereine sind eine zusätzliche Belastung. Klotz: "Meine eigene Trainer-B-Lizenz hat 1.800 Euro gekostet – eine Summe, die auch für uns als Verein eine große Herausforderung darstellt.“

Flexibilität gefragt: regeln müssen angepasst werden
Die aktuelle Regelung des Verbandes, die Altersgruppen strikt voneinander trennt, führt dazu, dass junge Mädchen oft gegen ältere und körperlich stärkere Spielerinnen antreten. "Die jungen Mädchen sind rasch überfordert und verlieren die Lust", kritisiert Klotz. Dagmar Engel wünscht sich daher mehr Flexibilität: "Der Verband könnte die Regeln lockern und den Vereinen ermöglichen, sich im Vorfeld eines Spiels auf die Altersstruktur der Mannschaften abzustimmen.“
Die Vorfreude auf das Spiel im Müngersdorf-Stadion ist dennoch groß. Auch wenn der Anpfiff im Neun-gegen-Neun-Modus erfolgen muss – es ist ein Zeichen der Wertschätzung für die jungen Fußballerinnen und ein Beweis dafür, dass der Mädchenfußball in NRW auf dem Vormarsch ist. Doch die Politik und die Verbände müssen jetzt handeln, um die notwendige Infrastruktur zu schaffen und den Trend langfristig zu sichern. Nur so kann verhindert werden, dass der Traum von vielen Mädchenfußballerinnen an fehlenden Platzkapazitäten und Trainerressourcen scheitert.
